Forschungsprojekt „Wie klappt es mit den Nachbarn?”

Eine empirische Untersuchung zu nachbarschaftlichen Beziehungen in zwei ausgewählten Wohnanlagen in Freiburg

Durchgeführt von Natalie Pipes und Katharina Hellmuth
Projektleitung: Prof. Dr. Cornelia Helfferich

Zeitraum der Untersuchung: 2007-2008

Fragestellung

Soziale Konflikten in Wohnanlagen sind die häufigsten Konflikte im Alltag. Sie können sich verfestigen und eskalieren, dann belasten sie die Bewohner und Bewohnerinnen, beeinträchtigen sie soziale Ressourcen der Nachbarschaft und erzeugen soziale Problemlagen (Wohnungsverlust). Im Rahmen des Projektes ‚Leben in Wohnanlagen’ erteilte die GISINGER + SPITTLER Immobiliendienste GmbH in Freiburg den Forschungsauftrag, eine Studie zur Wohnzufriedenheit und zu Konflikten in Wohnanlagen für zwei Wohnanlagen durchzuführen, die sich in ihrer Größe und in der Zusammensetzung der Bewohnerschaft unterschieden. Ziel war es, das Ausmaß und die Faktoren von Wohnzufriedenheit zu ermitteln sowie Konflikte zu analysieren und Interventionen aufzuzeigen, mittels derer die nachbarschaftlichen Beziehungen und die Wohnzufriedenheit verbessert werden können.

Methodisches Vorgehen

Die Studie wurde in mehreren Schritten durchgeführt:

  • eine sozialräumliche Erkundungen auf der Basis von Ortsbegehungen, Beobachtungsleitfäden und fotografischer Dokumentation zur Dokumentation der sozialräumlichen und kommunikativen Qualitäten der beiden Wohnanlagen
  • eine quantitative Bewohnerbefragung mit einem standardisierten Fragebogen mit einigen offenen Fragen zur Erhebung der Wohnzufriedenheit, der Konflikterfahrungen und der Konfliktbearbeitung (N=204), in der Auswertung wurden die nachbarschaftlichen Interaktionen und die Perspektiven der Bewohner und Bewohnerinnen in den beiden Wohnanlagen verglichen,
  • leitfadenbasierte, problemzentrierte Interviews mit Bewohnern und Bewohnerinnen (N=21); in der Auswertung wurden vier Kernkategorien analysiert.

Ergebnisse

Natalie Pipes und Katharina Hellmuth haben die Ergebnisse in ihrer Diplomarbeit ’Wie klappt es mit den Nachbarn?’ Eine empirische Untersuchung zu nachbarschaftlichen Beziehungen in zwei ausgewählten Wohnanlagen in Freiburg“ vorgestellt (Juni 2008)

  • Die beiden Wohnanlagen repräsentieren zwei unterschiedliche Typen von Nachbarschafts-Normen: Wohnanlage A eine schwache Bindung bei geringer sozialer Kontrolle, Wohnanlage B eine starke Bindung mit hoher sozialer Kontrolle.
  • In der Wohnanlage B ging eine höhere Zufriedenheit einher mit mehr Konflikten, aber auch mehr Kommunikation zur Lösung der Konflikte.
  • In der Wohnanlage A mit einem höheren Anteil an Einzimmerwohnungen und jungen Singles waren diejenigen, die nur flüchtigen Kontakt zu den Nachbarn hatten, zufriedener, in der Wohnanlage B mit Mehrzimmerwohnungen und vor allem Familien in der Bewohnerschaft waren diejenigen zufriedener, die engere Nachbarschaftskontakte hatten.
  • Sowohl die jüngste Gruppe der 14- bis 24-Jährigen als auch die älteste Gruppe der über 65-Jährigen waren häufiger der Meinung, die Hausordnung sollte strikt eingehalten werden, am seltensten meinten dies die 14- bis 24-Jährigen.
  • Insgesamt waren die Älteren (65+) hochzufrieden. Sie sahen sich selbst als tolerant und interessiert, stimmten häufiger dem Item zu „Wenn es Konflikte gibt, ist das schlimm“ und waren eher auf ihre Wohnung bezogen. Die Jüngeren (< 25) sind eher kritisch und klagen über Störenfriede. Sie stimmten häufiger dem Item „Konflikte gehören dazu“ zu und sind stärker außenbezogen.
  • Auch die Bewohnergruppen Mieter versus Eigentümer und Kinderlose versus Familien haben unterschiedliche Wohnbedürfnisse, ein unterschiedliches Kommunikationsverhalten und Engagement und ein unterschiedliches Konfliktverhalten. Wohnzufriedenheit ist vor allem festzustellen bei Übereinstimmung von eigenen Bedürfnissen und den herausgebildeten nachbarschaftlichen Normen.